Ausblick
«Gleichwie du mich in die Welt gesandt hast, so sende auch sie in die Welt.» Johannes 17,18
Und nun? – Die 40 Tage Gebet und Fasten sind vorbei und du freust dich wieder auf einen normalen Alltag mit viel gutem Essen und anderen schönen Dingen. Es möge dir gegönnt sein! Dein Verzicht in den letzten 40 Tagen ehrt Gott und er hat sich super gefreut über dich. Er ruft dir ein mega MERCI zu – hörst du es?
Es geht weiter! Gott sehnt sich danach, dass diese leidenschaftliche Beziehung mit dir Tag für Tag weitergeht. Er hat dir das Leben geschenkt und dich als Jünger in die Welt gesandt, damit du sie mit ihm zusammen auf den Kopf stellen kannst (was so viel heisst wie: sein Reich zu bauen). Genau wie Daniel hast auch du eine Verantwortung im Alltag, die Gott dir gegeben hat. Oft suchen wir die grossen Dinge und finden heraus, dass wir die kleinen verpasst haben. Gott ermutigt uns, im Kleinen treu zu bleiben um das «Grosse» zu erleben. Er sehnt sich danach, dass wir weiter aus dieser intensiven Beziehung mit ihm leben. Wenn wir tun, was er uns sagt, werden wir verändert, und wenn wir verändert werden, ändert sich auch die Welt um uns her.
Eines dieser «kleinen Dinge» war zum Beispiel für mich die klare «Ansage» Gottes: Sei freundlich! – Ein kleines Merci für die Kassiererin im Supermarkt, ein Dankeschön dem Strassenputzer der tagtäglich unseren Dreck wegwischt, ein herzliches «Guete Morge» dem Heroinabhängigen der auf seinen Einlass in die Abgabestelle wartet oder ein kleiner Schwatz mit dem Clubbesitzer von nebenan – all diese Kleinigkeiten verändern meine Umgebung. Ich habe mich dazu entschlossen, im Kleinen treu zu bleiben; so liebe ich es mit Jesus zu leben, tue im Alltag was er mir an Verantwortung gibt und freue mich an den sichtbaren Veränderungen wie dem freudigen Lachen des Heroinabhängigen wenn er mich kommen sieht. Ein kleiner Anfang, der weiter gehen wird.
Sei mutig und entschlossen, mit deinem Gott im Alltag zu leben! Geh weiter auf dem Weg, Gott ist mit dir und er hat erst noch enorme Freude daran!
Susanna Rychiger
Fasten heisst Gott Raum schaffen
I. Fasten – warum (nicht)?
In den letzten Jahren ist weltweit zu beobachten, dass der Stellenwert des Fastens, ver-bunden mit intensivem Beten, wieder erkannt wird. Wir erkennen darin einen Ruf Got-tes, auch an uns satte und verwöhnte Schweizer Christen, die Verheissungen und den geistlichen Segen des biblischen Fastens neu zu entdecken und zu ergreifen.
Eine der wichtigsten alttestamentlichen Dimensionen des Fastens, die auch heute noch ihre Gültigkeit hat, ist die Vereinigung des Volkes Gottes in nationalen Notsituatio-nen, um sich vor Gott zu demütigen, Busse zu tun und seine Weisung und Hilfe und Rettung zu erbitten. Beispiele: Josaphat (Was sollen wir tun?), Nehemia, Esther, 2. Chronik 7,14
Die neutestamentlichen Hinweise zum Fasten beziehen sich vornehmlich auf die persönliche und gemeindliche Ebene. Im Zentrum steht vor allem die Absicht, Gott Raum zu schaffen, damit sein Reden gehört wird und sein Wille geschehen kann. In dieser Hinsicht ist Fasten und Beten in unserer christlichen Landschaft von höchster Wichtigkeit: Jesus sucht nicht aktive Menschen und Gemeinden, sondern solche, die sich ihm hinhalten, damit er als der Lebendige durch sie wirken kann.
1. Was drücken wir mit dem Fasten aus?
Fasten ist ein Ausdrucksmittel: Deine Gnade ist besser als Leben. Ps 63
- Das, womit wir unser Leben füllen, ist gut, aber wir brauchen Gottes Gnade - das nicht machbare Leben.
- Gottes Glanz und seine Herrlichkeit sollen unser Leben durchwehen.
- Gottes Wirken soll bei uns zum Durchbruch kommen.
- Wir bringen zum Ausdruck, dass wir uns Gottes Plänen ausliefern.
- An uns soll etwas geschehen, nicht an Gott.
2. Gefahren des Nichtfastens
- Lukas 21,34: "Hütet euch, dass eure Herzen nicht beschwert werden durch Völlerei und Lebenssorgen!"
- Zerrissenheit (Lk 21,36)
- Anfälligkeit gegenüber Sünde (1Thes 5,6)
3. Gefahren des Fastens
- Heuchelei: Geistlich scheinen wollen vor Gott, vor Menschen, vor mir selbst.
- Gesetzlichkeit: Fasten, um vor Gott richtig dazustehen. Wenn ich faste, muss Gott handeln! Äusseres Erfüllen von Vorschriften, statt innere Betroffenheit.
- Religiosität: Wer fastet, ist geistlich(er).
- Falsches Machtdenken: Durch Fasten werden wir vollmächtiger. „Jetzt zeigen wir es der Welt.“
- Opfer statt Gehorsam: Fasten wird Gott als Ersatz dargeboten, um nicht das tun zu müssen, was er von uns möchte. Vgl. Jesaja 58
4. Was meint Fasten nach Jesaja 58?
Fasten soll ein Weg sein, um zu den Dingen zu kommen, die Gott durch uns tun möchte:
- Ungerechte Fesseln zu lösen
- Joche zu zerbrechen
- Das Fingerausstrecken aufzuhören
- Gefangene zu befreien
- Hungrigen das Brot zu brechen
Fasten soll ein Weg sein, damit Gottes Liebe und Kraft durch uns fliessen kann
II. Drei Zielrichtungen
A. Damit Gottes Geist in unseren Herzen Raum findet
Hütet euch aber, dass eure Herzen nicht etwa beschwert werden durch Völlerei, Trunkenheit und Lebenssorgen ... Wacht und betet, zu aller Zeit, damit ihr imstande seid, dem allem zu entfliehen und vor dem Sohn des Menschen zu stehen. Lk 21,34.36
Wir leben in einer turbulenten, schnelllebigen und dekadenten Welt. Viele empfin-den, dass die Turbulenzen und Erschütterungen noch massiv zunehmen werden. Doch wie Jesus sagt, ist die Hauptbedrohung für unser Leben, insbesondere auch für unser geistliches Leben, nicht eine äussere. Der wirkliche Kampf tobt in unserem Innern: Unruhe, Aktivitäten, Ansprüche von links und rechts bedrängen uns; Gebundenheiten und Perversionen aller Art quälen uns, Stolz und Leistungsdenken treibt uns, Angst, Trauer, Sorge bedrückt uns.
In dieser Situation ruft uns Jesus zum „Wachen und Beten“. Durch das Fasten wer-den wir wacher und wachsamer. Verbunden mit Beten entsteht dadurch Freiraum im Innern, sodass:
- es in unseren beengten und beschwerten Herzen weit wird,
- wir Schuld, Bitterkeit, Neid, Unversöhnlichkeit erkennen und ans Kreuz bringen,
- Jesus uns aus unseren inneren Gefängnissen befreien kann (Ps 142,8), • Jesus in seiner Herrlichkeit neu sehen können,
- Liebe und Einmütigkeit untereinander wächst,
Impulse:
- Wir nehmen uns Zeit und beten, damit im Hinblick auf Kreuz und Auferstehung der Erlöser Jesus Christus in unseren Herzen Raum findet! Fasten, verbunden mit Anbetung, ist ein Weg, um Ihm Raum zu schaffen. Damit ist nicht nur ein (Teil-)Verzicht auf Nahrung gemeint, sondern eine Einschränkung von allem, was Jesus in meinem Herzen den Raum streitig macht: Zerstreuung, übermässiges Arbeiten, soziale Aktivitäten, Medienkonsum usw.
- Wir beten, dass unsere erste Liebe zu Jesus wieder erwacht und er zum Zentrum unseres Herzens durchdringt (Off 2,4 und 3,20).
- Wir kehren um und sagen uns los von Götzen, denen vor allem wir Christen dienen: Erfolg und Erfolgsdruck, Wohlfühl-Christentum, Gesetzlichkeit und Religiosität, Kritikgeist, Lieblosigkeit, Materialismus.
B. Damit wir geistgeleitete und kraftvolle Zeugen Jesu sind
„Als sie dem Herrn dienten und fasteten, sprach der Heilige Geist ...“ Apostelgeschichte 13,1
Gott will die Gebets- und Zeugniskraft seines Volkes verstärken, damit wir als glaubwürdige Repräsentanten Jesu den vielen orientierungslosen und erschöpften Menschen den Weg zum Heil zeigen können. Doch was in der Apostelgeschichte und in der Kirchengeschichte zu beobachten ist, gilt auch heute noch: Gott gibt seinen Geist denen, die ihm gehorchen (Apg. 5,32). Das sind Menschen, die, wie oben be-schrieben, Gott an ihr Innerstes herangelassen haben, die sich von ihm haben zube-reiten lassen, sodass sie Gottes Wirken nicht mehr im Weg stehen.
So entsteht Freiraum nach aussen, sodass:
- uns das Nicht-Gedachte in den Sinn kommen kann,
- das Nicht-Machbare geschehen kann,
- wir prüfen können, worauf es ankommt,
- unser Gebet Kraft bekommt,
- wir den Freimut bekommen, das Erkannte zu tun.
Beten und Fasten sind somit ein Weg, damit Gottes gnadenvolles Handeln durch uns geschehen kann, sodass wir im Gewühl des Alltags aufmerksam und bereit sind für die von Gott vorbereiteten Werke.
Impulse
- Wir beten gemäss Lukas 11,13 um den Heiligen Geist und laden dabei jeden Tag - auf der Grundlage von 2.Korinther 13,13 „...die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen“ - den Heiligen Geist ein, dass er uns so führen und durch uns wirken kann, wie er will.
- Wir beten, dass Gott uns die Gelegenheiten zeigt, in denen wir freimütig auf unsere Mitmenschen zugehen können, um Jesus echt, schlicht und glaubwürdig zu bezeugen.
- Wir beten, dass unser Zeugnis vermehrt vom übernatürlichen und heilenden Wirken Gottes begleitet wird.
C. Damit wir reiche Schweizer dankbarer und freigebiger werden
„Wohl zu tun und miteinander zu teilen vergesst nicht, denn solche Opfer gefallen Gott.“ Hebräer 13,16
Fasten ist nicht, wie oft missverstanden, ein Opfer, das wir Gott bringen, um ihn zu beeinflussen. Indem wir fasten, werden wir vielmehr daran erinnert, welche Opfer Gott wohlgefallen:
- dass wir Gott Opfer des Dankes und des Lobes bringen (Hebräer 12,29 und 13,15)
- dass wir uns selbst als lebendiges Opfer Gott zur Verfügung stellen (Römer 12,1),
- dass wir das, was wir haben, mit anderen teilen (Hebräer 13,16),
- dass dadurch die Dankbarkeit und das Lob Gott gegenüber zunimmt (2.Korinther 9,11-13)
In Matthäus 6,1-18 setzt Jesus das Fasten und Beten in enge Beziehung zum Geben und fordert uns zu einer ganzheitlichen Hingabe unseres Lebens heraus. Immer mehr Christen stimmen darin überein, dass eine der grössten Fesseln, die unser geistliches Leben erstickt, der „ungerechte Mammon“ ist: Ungerechtes Geld von Drittwelt-Diktatoren, gewaschenes Geld aus aller Welt, Aktiengewinne, die höher gewertet werden als Arbeitsplätze, aber auch der Götze Geld, dem wir selbst in ir-gendeiner Form dienen.
Impulse
- Wir fasten persönlich in den Bereichen Besitz, Geld, Materialismus und Konsum, um die Freude des Gebens zu entdecken und einen Lebensstil des Teilens einzuüben.
- Wir beten, dass Gott uns kreative Wege zeigt, wie wir unseren Mitmenschen Wertschätzung geben und ihnen dienen können.
- Wir beten, dass uns Gottes Geist inspiriert, das, was uns an Gaben und Besitz anvertraut ist, zum Wohl unserer Mitmenschen einzusetzen, nicht nur in der Schweiz, sondern weltweit.
- Wir beten und leben entsprechend, sodass wir Christen als fröhliche Geber bei Gott und als Wohlgeruch Christi in der Gesellschaft bekannt werden.
- Wir beten, dass wir als Schweizervolk nicht nationalistisch, fremdenfeindlich und selbstsüchtig das eigene Wohlergehen vor Augen haben, sondern in unsere Berufung erfüllen in Gottes weltweitem Haushalt. III. Herausforderung
- Worauf will ich verzichten, um Gott Raum zu schaffen?
- In welchem Bereich möchte ich Gottes Reden und seine Weisung vernehmen?
- Was werde ich verschenken?
